Kerzen und Flammen

Kerzen und Flammen

 

Wenn es Abend wird, die Sonne längst hinter dem Horizont entschwunden ist und alles allmählich langsam zur Ruhe kommt, entzünde ich ein paar Kerzen, damit sie mich mit ihrem Glanz und ihrer Anmut erfreuen. Und wie ich so in ihr Licht blicke, in die Flamme, die mit jedem Wimpernschlag unausweichlich ihr eigenes Ende einläutet, formen sich in meinen Kopf Gedanken über dieses kleine Wunder.

 

Ein kleiner Funke genügt schon, um die Kerze zu entfachen und während sie sich langsam von der neu gewonnenen Energie nährt, wächst sie nach und nach zu ihrer vorbestimmten Größe heran. Sie strahlt in warmem Licht, tanzt und biegt sich mit jedem vernommenen Lufthauch, als wäre dieses Spiel eine Leichtigkeit für die Flamme. Grazil und zerbrechlich kann sie uns für viele Stunden erleuchten und ein Gefährte sein, wohl wissend, dass wir ihr nicht zu nahe kommen sollten, denn diese Schönheit birgt auch eine schmerzliche Gefahr. Wie oft wollten wir dieses tanzende Licht denn nicht schon mit unserer Hand einfangen und es am liebsten in unser Herz einschließen, um uns doch daran zu verbrennen? Am Ende ihres doch kurzen Lebens voller Herzlichkeit werden wir alle Zeuge eines ungleichen Kampfes, pulsierend und mit letzter Kraft versucht die Flamme noch einmal zu glänzen, als hätten wir sie eben erst entfacht, um dann doch langsam zu ersticken, bis nur noch ein schwaches Glimmen und nebliger Rauch Zeuge sind, dass soeben etwas starb. Und während ich der kleinen Flamme bei ihrem Todeskampf zusehe, wird es mir wieder bewusst.

 

Es gibt noch etwas, das sich auf solchen Parallelen verhält wie die Kerze. Die Liebe. Sie wird entfacht durch einen einzigen Funken, brennt und lodert in uns, tanzt und lässt ihre Wärme und ihr Licht durch uns hindurchstrahlen. Mal wiegt sie sich mit dem Wind, mal steht sie still und regungslos, trotzdem wissen wir, dass sie existiert. Und wie die Flamme in ihren letzten Atemzügen liegt und kämpft, tut dies die Liebe denn nicht auch? Ein letztes Inferno, um dann in einem schleichenden Glühen zu zerfallen, bis auch das letzte kleine Glimmen erloschen ist.

 

Nun versuche man eine erloschene und heruntergebrannte Kerze erneut zu entfachen, man wird feststellen, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und die Liebe zu einem Menschen, dessen Flamme man schon entfacht hatte? Man kann sich die Antwort sicher denken.

 

Die Kunst ist nicht, dies zu meistern, das wird selten gelingen. Nein, die Kunst besteht darin, die Flamme so lange wie möglich zu erhalten, sie zu pflegen und auf sie zu achten, damit sie Jahre und Jahrzehnte in uns brennen mag.

©

3.5.09 22:07

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ina (17.5.09 16:55)
Das ist wunderschön geschrieben. Der Vergleich zwischen der Kerze und der Liebe gefällt mir sehr!
Man sagt ja auch nicht umsonst "Mein Herz BRENNT für Dich" oder "Du hast mein Herz ENTFLAMMT"... genau das ist es. Doch wenn das Feuer erstmal erloschen ist, so wird es auch nicht mehr so leicht entflammt :'(

Einen lieben Gruß an Dich,
Ina

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