Die Rückkehr der Schmetterlinge

Die Rückkehr der Schmetterlinge

Als ich neulich durch die Alleen streifte, einsam und verlassen, wie an fast jedem solcher tristen Tage, wunderte ich mich, wo all die farbenfrohen Schmetterlinge blieben, die mit ihrem Tanz und mit ihrer lebensfrohen Art um mich herumflatterten, frech und anmutig, und mich so stark an meine unbekümmerte Jugend erinnerten?

Ich schaute mich suchend um, doch nichts rührte sich, kein Licht brach sich in den schimmernden Flügeln, kein leises Flattern vernahmen meine Ohren. Mein Herz wurde auf einmal schwerer und schwerer, denn die Gedanken an meine Kindheit überrollten mich urplötzlich und griffen tief in meine Gefühlswelt ein. Ich blieb stehen und seufzte tief, blickte zum Boden, der anfing zu verschwimmen, denn Realität und alte Erinnerungen vermischten sich, als hätte irgendwer weit entfernt eine bekannte Melodie aufgelegt, die ich in meinem Kopf nun artig verfolgte, bis zu dem Punkt, an dem Welt und Zeit kollidierten.

Mir war, als hörte ich ein Kinderlachen; nein, zwei oder mehr. Ja,  sogar die Sonne spürte ich, die strahlte und sich warm anfühlte, einen Himmel, dessen Farben mir leuchtender und bekannter vorkamen, als ich es je mit Sinnen vernahm; ja, selbst ein Gefühl der Leichtigkeit überkam mich, als ob ich jeden Augenblick den Grund unter meinen Füßen verlöre und mich unsichtbare Schwingen sanft in die Höhe trügen.

Es war wie in alten Zeiten und der Gedanke erwärmte mein dunkles Herz, diese sorgenfreie Zeit damals, als Sorgen und Ängste noch ungeboren waren. All diese Gefühle und Flashbacks fühlten sich so real an, als wären sie fast zum Greifen nahe, ich blickte daher auf und öffnete meine Augen, die leicht verkniffen waren. Und dann sah ich etwas, leicht schemenhaft, das sich vor meinem Gesicht rührte und nach und nach immer klarer wurde. Schmetterlinge. Erst einen, dann zwei, dann dutzende. Sie flogen um mich herum, wirbelten im Wind, tanzten mit sich selbst und den Sonnenstrahlen, jene Schmetterlinge, egal welcher Art oder Gattung, die ich damals nie richtig zu schätzen wusste.

Ich streckte meine Hand aus und tatsächlich setze sich einer auf meinen Finger, dessen Farben ich nicht zu deuten wusste, so sehr blendete mich die Reflexion der Sonne in seinen Flügeln. Er saß da und wippte sanft seine Flügel im fast windstillen Umfeld meines Ichs. Ich betrachtete diese farbenfrohe und lebensbejahende Kreatur und wünschte mir irgendwie nichts sehnlicher, als könnte man mit ihr tauschen, als könne ich einmal, getragen von Wind und Lebenskraft, fliegen, kreuz und quer über all diese weiten Wiesen, ja gar über Meere und Ozeane.

Ich weiß nicht, was mich aus diesem Tagtraum riss, jedoch fühlte ich mich teils leerer, teils weiser als zuvor, auch wenn alle Schmetterlinge wieder verschwunden waren. So plötzlich, wie sie kamen, haben sie es doch geschafft, dass ich mich an einem wundervollen Gedanken festhalten konnte, der mir in meinem tristen Herzen wieder ein Lächeln und eine wundervolle Erinnerung hervorzauberte.

Eine Träne rann über meine Wange, denn für nichts auf der Welt hätte ich gerade meine kleine Reise in die Vergangenheit eingetauscht, eine Reise zu dem einen Tag, an dem noch Schmetterlinge einem Menschen zeigten, was es bedeutet, zu leben.
©

3.5.09 22:00

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